Prolog

Na bitte, wer sagt`s denn. Eine glatte 7 auf der Skala!

Dankbar für ein bisschen Augenporno in dieser Welt voller wuchernder, visueller Metastasen scanne ich dieses, die Mindestgröße für meine Beachtung von 170 cm knapp überragende Geschöpf, welches eben meine Straßenbahn bestiegen hat. Hübsches Gesicht, elegantes Outfit, gute vertikale Proportionen, arrogantes Auftreten. Ausreichend erste Eindrücke, um in der zweiten Hälfte der ersten Sekunde dieser visuellen Aufgeschrecktheit, genauer hinzusehen.

Ob sie die 7 auch wirklich verdient?

Ich lehne neben der Türe zur Fahrerkabine. Sie durchschreitet die Bahn in ihrer Breite so nah an mir vorbei, dass ich ihren Duft, eine Mischung aus Haarspülung und Deo, wahrnehmen kann. Frisch, aber dezent. Sie lehnt sich ans Fenster, tippt etwas einhändig in ihr schwarzes iPhone und beachtet sonst nichts und niemanden. Sie trägt eine schwarze Luxus-Markensonnenbrille und zu ihrer garantiert echten, schwarzen Louis Vuiton Tasche, farblich perfekt abgestimmte 14-cm-High-Heels Modell Peep Toe in schwarz-matt. Die mit der roten Sohle, die Echten.

Sehr schön pedikürte, braungebrannte, von der Genetik gut gelungene Füße mit professionell, perfekt aufgetragenem schwarzem Nagellack an sportlich definierten Beinen befinden sich darin. Auch den Haken bei Maniküre, in gleichem Farbton bestrichen wie unten, setze ich erleichtert auf meiner fiktiven Gepflegt_oder_Ungepflegt-Liste.

Ich sauge ihre Erscheinung in mir auf und genieße sie kurz in ihrer (pracht)vollen Erscheinung. Ja, sie genieße ich lediglich visuell. Viel zu groß ist die Gefahr dass sie dumm ist und meine schöne Illusion durch ein falsches Wort kaputt macht. Außerdem bleibe ich stets meinem Statut, ich vögle grundsätzlich nichts Schlechteres als das was ich Zuhause habe und meiner Verabredung mit meinem Kumpel Chris treu.

Dankbar für etwas visuelle Ästhetik in einer von Ballerinas, billigen Gummi- & Plastikschuhen sowie Ugg- und MBT-Boots verseuchten Welt und noch geiler als vorher auf die Erlebnisse dieser, mir bevorstehenden lauen Mittwoch-Sommernacht in der Düsseldorfer City verlasse ich die Straßenbahn an meiner Zielhaltestelle und steuere voller Übermut und in bester Laune die Ratinger Straße in der Altstadt an.

Ach ja, gestattet mir bitte, das ich mich noch schnell vorstelle: Ich bin HUBERT und ich bin (K)EINERvonEUCH!

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