Kapitel 03, Moskau

Ich liebe diese Schilder mit meinem Namen in den Ankunftsterminals der Flughäfen dieser Welt. Sie müssen aber unbedingt gedruckt und nicht auf die Schnelle von Hand auf ein Stück Pappe gekritzelt sein.

Mein Ansprechpartner von der russischen Agentur, die die Umsetzung unserer Planungen vor Ort macht, wartet schon auf mich im Ankunftsterminal des DME. Zu meiner Befriedigung hält er ein gedrucktes, laminiertes und von einer schwarzen Gucci Ledermappe gehaltenes Schild mit meinem Namen weit über seinen Kopf in die Höhe.

Ich hatte im Vorfeld bereits dutzende Male mit ihm telefoniert und korrespondiert. Wir hatten bis dato aber noch nicht persönlich miteinander zu tun gehabt. Er müsste so Anfang 40 sein, zwar in russischem Label Prunk, aber trotzdem recht schlicht und cool gekleidet. Er kommt aus gutem Haus, hat in London studiert und gehört zu Russlands vermögender Promille. Die Messe-Bau-Firma gehört seinem Onkel.

Mit seinem Mercedes-Coupe geht es vom Flughafen direkt zur Messe, damit ich die Arbeiten abnehmen kann. Alles zu meiner Zufriedenheit. Ebenso im Hotel, zu dem er mich nach der Abnahme des Messestandes fährt.

Bevor er sich verabschiedet, spricht er noch eine Einladung zum Abendessen von und mit seinem Onkel aus und bietet an, mich heute Abend um 21.00 Uhr vor dem Hotel von einem Wagen ab holen zu lassen.

Nach 20-minütiger Fahrt erreichen wir einen Alles-in-Einem-Laden für Russen ohne Limit. Der Laden ist minimalistisch, kühl und protzig eingerichtet. Die LED-Installationen, die dem Laden eine eiskalte Seele einhauchen, müssen ein Vermögen gekostet haben. Ich werde zu einer VIP-Nische im Obergeschoss und zu meinen beiden Gastgebern geführt.

Die Gesellschaft war angenehm, die Gesprächsthemen Business und der Wodka kam unaufgefordert alle 20 Minuten. Das 5-Gänge-Menü und der Service dazu waren eine glatte 10 und kurz vor dem Zustand „besoffen“ steuere ich die Bar an, nachdem sich meine Gastgeber mit den Worten „Die Limousine steht Ihnen für die gesamte Dauer Ihres Aufenthalts zur Verfügung“ verabschiedet haben.

Es ist halb eins, die Trinker sind betrunken, die Esser sind satt und betrunken, und alles versammelt sich nun an den Bars um die Tanzfläche im Untergeschoss.

Gegen die warme Trägheit, die von meinem Verdauungstrakt aufsteigt, bestelle ich mir an einer der Bars einen RedBull in meinen Wodka und werde auf Englisch mit russischem Dialekt angequatscht. Ohne eine weitere Reaktion scanne ich sie.

Die Mega-Absätze ihrer schwarzen TipToes machen sie fast so groß wie mich. Top Körper. Hände und Füße gepflegt. Arschlange, blonde, glatte Haare. Sportlicher Body und kreisrund modellierte Titten unter einem schwarzen, hautengen Kleid ohne Träger. Eigentlich nur ein Schlauch aus Stretch-Stoff, welcher von der Oberseite ihrer Nippel bis zur Unterseite ihrer garantiert rasierten Lippen ihren Körper umschmiegt. Die eingecremte, gebräunte Haut ihrer langen, sportlichen Beine reflektiert die im Takt der Musik wechselnden Farben des LED-Lichts.

Sie, schon sichtlich aufgeregt, warum ich nicht reagiere, sage ich in schnellem, absichtlich undeutlichem Deutsch zu ihr: „Entschuldige mich bitte“ verlasse blitzartig meinen Standort und mache mich auf, das gleiche Modell, aber ohne Warze im Gesicht zu finden. Warzen und oberflächliche Muttermale finde ich genau so sexy wie Nagelpilz und Zahnfäule. Schön, wenn sie im Gesicht sind und nicht später irgendwo am Körper auftauchen, und mich zum sofortigen Rückzug ohne Beute in einer bereits gewonnen Schlacht zwingen.

Das wirtschaftliche Erfolgsrezept eines solchen Ladens sind reiche Männer und hübsche Frauen. Es war nicht schwer Miriam in die Limousine zu bekommen, welche mit mir nun auf dem Weg in mein Hotel ist. Einmal mit meiner Rolex winken, ein bisschen von meiner erfolgreichen Firma in Deutschland erzählen und ohne einen weiteren Drink zu bestellen als den, den wir in der Hand hatten als Sie mich angequatscht hat, verschwinden wir.

Im Hotel lasse ich ihr erst mal ein Bad ein um sie nackt zu sehen. Sicher ist sicher und garantiert sauber ist sie danach auch. Sie könnte die Zwillingsschwester von Warze, nur ohne eben diese sein. Sogar ihre Outfits sind identisch und wahrscheinlich hat ihnen sogar der gleiche Doktor die Plastik-Möpse angeschraubt.

Wir liegen nackt auf dem Bett und ziehen uns jeder eine lange Linie weißes Pulver von einem silbernen Metall-Tablett, auf dem wir, von mir ungeordert, einen Eiskübel mit einer Flasche gekühltem Schampus angerichtet vorgefunden haben, als wir das Zimmer betreten haben.

Wo kommt das Koks in dem frauenfingerdicken Glasröhrchen her? Sie hatte doch gar keine Handtasche dabei..!?

Ich nehme einen Schluck Champagner in den Mund und lecke ihr, ohne runter zu schlucken die Muschi prall. Wir lecken und ficken nacheinander, abwechselnd und insofern es die Physik in unserem Zustand noch zu lässt auch mal gleichzeitig alle unsere Löcher mit allem, was von unseren Körpern da reinpasst. Ich bin voll drauf, das Böse in mir übernimmt das Kommando und ich habe Vorspuler und  Flashs, in denen ich uns für den Bruchteil einer Sekunde in einem 360 Grad Rundumblick beim Ficken zusehe.

Als ich ihr nach einer schweißtreibenden Performance endlich in den Mund spritze hat sie zwei Finger ihrer perfekt manikürten Hand tief in meinem Arsch versenkt und ich habe Angst, das ihr diese Ladung aus meinen Eiern den Schädel weg bläst.

Der Wecker meines iPhone ist für jeden Tag dieser Woche auf 07.00 Uhr gestellt. Pünktlich reißt es mich aus meinem Halbschlaf und beendet einen wirren Traum. Irgendwas mit Sex.

Ich liege alleine und nackt auf dem komplett abgeräumten Bett. Ich fühle mich wie in einem durchsichtigen, leicht milchigen Cocoon. Ich höre nichts, rieche nichts und was ich sehe nehme ich noch nicht wirklich wahr. Während einer langen, heißen Dusche läuft der Film der letzten Nacht noch mal stichpunktartig durch meinen Kopf und mein Wohlbefinden verbessert sich sofort.

Ich glaube zu grinsen und nach dem Konsum des letzten Restes aus dem von ihr liegen gelassenen Glasröhrchen weiss ich definitiv, dass ich grinse..!

Ihre Nummer und ihren Namen, die sie mir auf einen Bogen Hotel-Briefpapier geschrieben hat, lasse ich vor dem Verlassen des Zimmers zerknüllt im Mülleimer verschwinden, während ich dabei kurz innehalte, meinen Blick durch das Zimmer schweifen lasse und das letzte Nacht veranstaltete Chaos immer noch grinsend auf mich wirken lasse.

Perfekt gekleidet muss ich so aussehen, wie ich mich nun fühle. Saugeil! Die schwarzen Schuhe zu Gürtel und Aktentasche farblich abgestimmt. Die Gürtelschnalle in gebürstetem Edelstahl passend zum Armband meiner Uhr und den Manschettenknöpfen mit lila Emaille. Anthrazitfarbener, leicht schillernd-glänzender Nadelstreifenanzug mit lila Innenfutter aus bester chinesischer Seide, im gleichen HKS-Farbton wie die Emaille meiner Manschettenknöpfe, meiner Socken und dem Faden mit welchem meine Initialen in den linken Ärmel meines Maßhemdes gestickt sind.

30 Sekunden vor halb 9 und somit wie immer pünktlich verlasse ich die Limousine direkt vor dem Eingang in die richtige Messehalle. Ich bin zu allem bereit!

Es ist der letzte Tag, und die letzte Stunde der Messe ist angebrochen. Die Standparty wird bereits aufgebaut. Morgen geht es nach Hause. Ich hatte in dieser Woche einen lauen Job. Organisation im Vorfeld und ein gutes Team im Rücken sind einfach alles und bis auf die üblichen Kleinigkeiten, die zur Lösung meine Anwesenheit eigentlich gar nicht gebraucht hätten, lief alles wie geschmiert. Und so wie der „Alte“ (So wird der Inhaber & CEO im Inner-Circle genannt) grinst, waren die Abschlüsse wohl auch nicht ganz ohne. Ich habe was von 2,2 Milliarden an unterzeichneten Aufträgen aufgeschnappt.

„Ich bin rundherum und vollkommen zufrieden“ Nicht mein erstes solches Kompliment, doch immer wieder schön zu hören. Vor allem, wenn es vom Inhaber & CEO der deutschen, fabrikbauenden und weltweit operierenden Firma mit mehr als 20.000 Mitarbeitern und unserem größten Kunden kommt, für welchen wir diesen Messeauftritt hier in Moskau organisiert haben. Nach diesem Lob und bei seinem Grinsen wird es wohl keine Schwierigkeiten mit unserer maßlos überhöhten Abschlussrechnung im mittleren 7-stelligen Bereich geben.

Sein Kompliment vergrößert mein Bedürfnis heute Abend mal richtig die Kuh fliegen zu lassen, bevor morgen Abend mein Flieger zurück nach Düsseldorf geht. Ich freue mich schon sehr darauf und kann es kaum erwarten. Ich vermisse meine Frau. Sie ist stets der einzige Grund, weswegen ich, kaum dass ich aufgebrochen bin, am liebsten sofort wieder umkehren möchte. Selbst der Abenteurer in mir kann sich ihr nicht entziehen. Sie hat es, als erste Frau in meinem Leben, geschafft, alle meine Extreme vollkommen von sich einzunehmen und friedlich an einen Tisch zu bringen.

Die Party läuft in vollen Zügen. Ich stehe in einem Pulk von Vertrieblern und Vertrieblerinnen, welche ich im Lauf der Woche alle, zwangsläufig kurz kennen gelernt habe. Ich habe mir zwei davon im Lauf der Woche bei regelmäßigen, kleinen Flirtereien im Rahmen des Jobs, als Ziele für MEINEN heutigen Abschluss ausgesucht. Mit einer davon unterhalte ich mich gerade angeregt, als mein Telefon klingelt.

Unterdrückte Rufnummer. Ich entschuldige mich, entferne mich etwas von der Gruppe und gehe ran. Der „Alte“ würde sich gerne in einem intimeren Rahmen persönlich für meine Leistung bei mir bedanken. In 15 Minuten holt mich ein Fahrzeug vor dem Halleneingang ab.

Vor dem Eingang der Messehalle steht eine Limousine der obersten Klasse, die vorne und hinten von je zwei Polizisten auf Motorrädern mit eingeschaltetem, aber nicht blinkendem Blaulicht begleitet wird. Gerade als ich zögere und schon umdrehen will, ertönt mein Name und ich werde vom Chauffeur freundlich-gestikulierend gebeten, einzusteigen. Die Polizisten sitzen wie leblose Statuen auf ihren Motorrädern. Sowie ich Platz genommen habe, geht es los.

Die Fahrt dauert nun bereits eine halbe Stunde. Wir fahren schnell, und rote Ampeln ziehen an mir vorüber. Die Polizisten machen uns den Weg frei. Ich bin beeindruckt, doch irgendwie schießen mir auch eine Menge Fragen durch den Kopf und ich spüre, dass es keine schönen sind. Meine Anspannung und innere Unruhe nehmen mit jedem Kilometer zu. Draußen ziehen dunkle, anscheinend unbelebte Straßen vorbei und das kalte, orangefarbene Licht der Straßenlaternen, insofern mal welche vorhanden sind, taucht die vorbeiziehende Umgebung in ein gespenstisches Licht. Benzin für das Feuer meiner inneren Unruhe.

Die Limousine bremst und biegt ganz plötzlich stark ab. Ich werde abrupt aus meinen Gedanken gerissen. Wir fahren durch ein riesiges, offen stehendes Metalltor in einen Park. Das Tor schließt sich direkt nach uns. Erst einige Minuten später erreichen wir ein Haus. Nein, eher eine Residenz im Stil eines alten, englischen Herrenhauses mit imposanter Außenbeleuchtung.

Vor dem Haus ist großflächig ein Rondell angelegt, in das wir nun langsam in einem großen Bogen einbiegen. Von weitem erkenne ich den Eingang, welcher links und rechts von zwei mannshohen Bodenbehältnissen, aus denen Feuer lodert, eindrucksvoll in Szene gesetzt wird. Der halbrunde Platz davor ist aber so dunkel, dass ich lediglich die Silhouetten der Autos erkennen kann – ausschließlich Luxus-Limousinen und Sportwagen, die in einem Halbkreis um das Rondell parken. Im Vorbeifahren sehe ich in die nur von der roten Glut ihrer Zigaretten beleuchteten Gesichter der Chauffeure, die frierend auf das Ende der Ausfahrt ihrer Herren und damit hoffentlich auch das Ende ihrer Schicht warten.

Mir wird die Türe mit den Worten „Sie werden erwartet, bitte folgen Sie mir“ geöffnet. Mit mulmigem Gefühl steige ich aus und folge dem behandschuhten, dunkelhäutigen Herrn. Er bringt mich bis zu den teppichbelegten, weißen Marmorstufen am Eingang und bleibt stehen. Mit einer, von einer leichten Verbeugung begleiteten Handbewegung deutet er an, ich solle bitte hineingehen.

An der Türe werde ich von zwei riesigen, angsteinflößenden Security-Typen kommentarlos mit einem Kopfnicken durch gewunken. Am Ende eines ungefähr zehn Meter langen Flures stehen ein mindestens zwei Meter großer und ungefähr 200 Kilo schwerer Anzugträger, der von einem jungen, schmächtigen Typen Anfang 20 protegiert wird. Er stellt sich und seinen Sohn in perfektem Englisch als die Gastgeber dieser kleinen, bescheidenen Hütte vor und heißt mich herzlichst als Gast heute Abend willkommen.

Ich werde von den den Beiden während den üblichen, verbalen, begrüßungstechnischen Floskeln in einen riesigen, mit dunklem Holz getäfelten Raum im Obergeschoss geführt. Zwei Wände werden komplett bis unter die ca. 7 Meter hohe, von dunklem Holz getäfelte Decke von Bücherregalen voll mit antik aussehenden Büchern eingenommen. An einer Wand ist eine Bar dezent in das Gesamtbild dieser, wie eine mehrere 100 Jahre alte Bibliothek aussehende Halle eingepasst. In der Mitte stehen zwei Billardtische. In großem Abstand darum sind Sitzgruppen wie kleine, intime Inseln im Raum platziert. Überall sitzen Business-Typen in Anzügen in Gespräche vertieft und werden von Negern in weißen Fracks und Handschuhen bedient. Der schwere Geruch von Tabak liegt in der Luft. Irgendwoher ertönt dezente Bar-Jazz Musik.

Ich werde durch den Raum geführt. Der „Alte“ sitzt in einem riesigen, antik aussehenden Ledersessel und unterhält sich mit einigen Leuten, welche in weiteren Sesseln in einem Halbkreis um einen offenen, mannshohen, aus großen Steinen gemauerten Kamin sitzen. Kurz vor meinem Erreichen erheben sich die Leute und verschwinden dezent quer ab zu meinem Kurs, sichtlich bemüht, mich nicht wahr zu nehmen. Meine beiden gastgebenden Begleiter, die ich eben noch hinter mir geglaubt habe, sind plötzlich ebenfalls verschwunden.

„Schön, dass Sie es einrichten konnten, bitte nehmen Sie doch Platz.“

15 Minuten später erhebt er sich und verabschiedet sich von mir. Er müsse weiter in die USA fliegen. Er habe dort morgen Mittag eine Verabredung zum Lunch. Ich solle aber unbedingt noch die Party als sein Gast genießen. Er dreht sich um und verlässt schnellen Schrittes den Raum. Zwei Menschen hängen sich sofort begleitend an ihn dran. Ich bleibe alleine zurück. Reflexartig stürze ich den Inhalt meines noch vollen Cognac Glases, das ich seit einer Viertelstunde unangetastet in der Hand halte, auf einmal in meine Kehle und hoffe, damit den kribbligen Glücksgefühlen, welche von meinem Bauch aus aufsteigen, irgendwie Herr zu werden. Ich muss strahlen wie ein gut geficktes Eichhörnchen. Habe ich das gerade richtig verstanden oder war das nur ein Traum. Ein Diener bringt mir unaufgefordert den nächsten Cognac, den ich ebenfalls sofort exe.

Für die geplante Expansion in den BRIC Staaten stehen in nächster Zeit viele Veranstaltungen und kolossale Auftritte auf allen Fachmessen an und er sichert uns hiermit alle Aufträge der nächsten Jahre exklusiv und ohne Ausschreibung zu. Und, er will sich Privat mit 33% bei uns als stiller Teilhaber für einen mittleren einstelligen Millionenbetrag „Cash“ einkaufen. Ich soll das doch bitte mit meinem Geschäftspartner besprechen. Er erwartet in den nächsten zehn Tagen unsere Entscheidung.

Ich bleibe noch einige Zeit sitzen und versuche den Umfang dieses Angebotes zu erfassen. So muss es sich anfühlen, wenn du von einer Millionen-Erbschaft von einem dir gänzlich unbekannten Onkel erfährst und du es irgendwie einfach nicht realisiert bekommst.

Ich erhebe mich, verlasse den Raum noch vollkommen in Gedanken und gelange über eine Treppe zurück ins Untergeschoss. Hier bin ich aber nicht reingekommen!? Ich folge lauter, wummernder Musik in eine riesige, dunkle Halle. Nur punktuelle Spots umschließen die halbnackten, sich nur in Unterwäsche auf unterschiedlichsten Sitz- und Liegegelegenheiten räkelnden Mädchen wie eine Aura. Es sieht aus wie beim Juwelier. Die Einzigartigkeit jedes Schmuckstück wird vom warmen Licht perfekt in Szene gesetzt.

Der große, dicke Gastgeber stürmt dezent, mit aller Unterwerfung auf mich zu und wünscht mir „Viel Spaß als Ehrengast auf seiner Privatparty“. Die von einem Augenzwinkern flankierte Betonung dieses Satzes erwidere ich mit einem wortlosen Nicken.

Kaum ist er verschwunden, verschlingen mich bereits die Blicke von einem Dutzend megascharfer Miezen. Sie lungern, räkeln und präsentieren sich überall im Raum auf kleinen 2er-Sofas, großen Ledersesseln und an der Bar. Das Licht, gerade hell genug, um bei größtmöglicher Intimität ausreichend zu sehen.

Ich bleibe stehen und sehe mich um. Wie Sirenen versucht mich eine jede von ihnen nur mit ihren Blicken zu verführen und mich dazu zu bringen, zu ihr zu kommen.

Ich stehe am Rande des Raumes weiterhin einfach nur so da und lasse meinen Blick emotionslos schweifen. Ich genieße ihre Begierde und fühle mich, als gäbe es heute keine Ebene, auf welche mein Ego nicht aufsteigen könnte.

Als stark visuell veranlagter Mensch sind mir zwei Mädchen sofort aufgefallen. Leider verweilen sie in zwei entgegengesetzten Ecken des Raumes. Ich setze mich in Bewegung zur Blonden. Sofort strahlt sie ihr Siegerlächeln. Ich nehme sie kommentarlos bei der Hand und wir begeben uns quer durch den Raum zu einer Schwarzhaarigen mit hellem Teint. Als wir sie erreichen, kann ich trotz des Schummerlichtes einige winzig-kleine Sommersprossen um ihre Nase erkennen.

Ich setze mich neben sie. Die Blonde setzt sich mit gespreizten Beinen auf mich und küsst die Schwarzhaarige zu meiner Rechten ohne zu zögern und ohne dass wir alle auch nur ein einziges Wort miteinander gewechselt haben. Durch die laute, von sattem Bass geschwängerte Minimal-House-Musik hätten wir akustisch zwar eh nichts verstanden, die Vorstellung von nonverbaler, ausschließlich auf körperliche Gesten und Taten konzentrierte Kommunikation zwischen uns erregt mich nun aber ungemein.

Erst zögernd, dann intensiv küsst Blondie nun auch mich und schiebt mir dabei mit ihrer Zunge eine Pille in den Mund, die ich sofort verschlucke. Die Schwarzhaarige hat ein kurzes, von mir durch die Überraschung hervorgerufenes Zucken bemerkt. Sie schiebt mir langsam ihren Zeigefinger in den Mund und nimmt mir mit dieser Geste, die von einem süßen Lächeln begleitet wird, jegliche Bedenken ebenso schnell wieder, wie sie aufgekommen waren.

Beide erheben sich, deuten mir an es ihnen gleich zu tun, haken sich dann jeweils auf einer Seite bei mir ein und führen mich zur Wand hinter unserer Sitzgelegenheit. Blondie tippt auf eine Stelle an der Wand. Ein Deckel öffnet sich und ein schwach beleuchtetes Ziffern-Eingabefeld erscheint. Sie tippt einen Zahlencode ein und die Wand öffnet sich zur Seite. Wir besteigen einen fahrstuhlartigen Raum. Die Türen schließen sich hinter uns und gehen vorne sofort wieder auf. Es sieht aus, wie die Türen bei Raumschiff Enterprise, nur das zischende Geräusch fehlt.

Wir betreten einen vollkommen dunklen Raum. Ich kann spüren, dass er riesig ist. Die Türen schließen sich hinter uns, ersticken die progressive Musik von vorhin und es wird langsamere Musik hörbar. Es ist angenehm warm. Vor uns steht ein riesiges, schwarzes Himmelbett, welches links und rechts von je vier mannshohen, schwarzen Kerzenständern mit jeweils fünf Kerzen eingerahmt wird. Es sind die einzigen Lichtquellen und ich kann dahinter nichts, nicht mal die Wände des Raumes erkennen.

Vor uns und zwischen dem Bett steht ein hüfthoher Tisch, darauf eine ungeöffnete Jeroboam Flasche Cristal Champagner in einem goldenen Kühler. Schwere Kristallgläser, ein Berg weißes Pulver, Seile, Handschellen, Dildos, Gummihandschuhe, Massegeöl…

Alles um mich herum, ab ca. 2 Meter im Radius verschwimmt nun, dafür ist alles nahe 200%ig klar. Beide beginnen mich auszuziehen. Ich lasse es gerne zu.

Alles verläuft ab nun so, als würde ich mit meinen Gedanken, wie mit einer Fernbedienung sowohl das Programm als auch die Geschwindigkeit und Intensität bestimmen. Ich fühle mich super. Ich fühle mich wie im Himmel. Warp 10. ENERGIE!

Ich erwache. Wo bin ich? Ich öffne die Augen und fahre hoch. Mein Hotel. Ich blicke auf meine Armbanduhr – Mittag. Mein Flug? Der geht um 20 Uhr, der Wecker in meinem iPhone wurde von mir angepasst. Alles ist gut. Ich entspanne mich wieder und drehe mich noch mal um. Ich döse weg und lasse den gestrigen Abend noch mal in meinen Gedanken Revue passieren. Oh what a fucking wonderful Night..!

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