Kapitel 09, Homeoffice

Letzte Woche habe ich Pitt verabschiedet, den Alten willkommen geheißen und mich zum mehrfachen Millionär gemacht. Endlose Termine mit Anwälten bei Notaren haben fast meine gesamte Wochenarbeitszeit in Anspruch genommen. Diese Woche habe ich mich in`s Homeoffice verabschiedet um die E-Mails der letzten Woche abzuarbeiten, mich zu sortieren und zu überlegen wie es nun weiter geht.

Meine beiden Sekretärinnen, ich habe die von Pitt erstmal übernommen, sind jeweils ausreichend von mir mit Aufgaben betraut worden und angewiesen, mir alle Zeitaffen vom Halse zu halten. Meine Mitarbeiter kennen ihre Deadlines und wissen somit ebenfalls was sie zu tun haben.

Es naht das Ende einer total verregneten Woche. Ich habe seit Montag das Haus nicht verlassen und bin voll in meine Arbeit vertieft. Lediglich für meine Wege zur Küche, zur Toilette und zu meinem Bett verlasse ich meinen Schreibtisch und schalte den Rechner erst ab, wenn Abends meine Frau heim kommt um mit ihr noch einige Stunden gemeinsame Freizeit zu genießen.

Da sie immer sehr früh aufstehen muss geht sie deutlich vor meiner Zeit als Nachtmensch in Bett. Ich habe mich letzte Woche zum Segelscheinkurs im Düsseldorfer Yachtclub angemeldet und lese dann immer noch eine Stunde sehr begeistert im Kurs-Begleitbuch, welches ich mir noch am Tag der Anmeldung gekauft habe.

Es ist gegen Mittag und ich telefoniere gerade mit einem Kunden über mein Festnetztelefon, als mich per SMS die Nachricht mit den Worten „Kommst du runter?“ erreicht.

Der Mann meiner Nachbarin zwei Etagen tiefer arbeitet als Vertreter für Fahrradbekleidung und Zubehör und betreut von Düsseldorf aus, die halbe Bundesrepublik. Zweimal im Monat begibt er sich also auf große Außendiensttour.

Kennen gelernt haben wir die beiden, als meine Frau und ich vor 5 Jahren in dieses ehrenwerte Haus eingezogen sind und das Pärchen von ganz unten, die einzigen Eigentümer im Haus, einen kleinen Empfang veranstaltet haben, um alle Nachbarn kennen oder besser kennen zu lernen und so ihre Neugierde zu befriedigen.

Die Beiden waren die Einzigen, die halbwegs locker waren und sie fand ich sofort irgendwie interessant. Stewardess bei der Lufthansa, keinen Zentimeter kleiner als ich und von skandinavischer Herkunft.

Vor ca. einem Jahr haben die beiden ein Baby adoptiert, da Sie keine Kinder kriegen kann. Von da an sind wir uns, da ich pflege alle Besorgungen über den Tag, bei niedrigster Frequenz in den Geschäften, zu machen, und Sie nun auch ganztägig bei ihrem Kind zuhause war, regelmäßig im Treppenhaus über den Weg gelaufen und kamen irgendwann über das schreiende Kleine ins Gespräch.

Sie war offensichtlich sehr untervögelt und sendete sofort klare Signale. Als wir uns einmal, mitten unter der Woche gegen Mittag im Waschkeller, sie an der Waschmaschine, ich mit einem Beutel Müll, sie barfuß und nur mit einem Tank-Top bekleidet, welcher Ihren String Tanga nicht mal annähernd erreichte, brauchte es zwischen uns keine Worte.

5 Minuten später lagen wir bereits bei ihr Zuhause im Ehebett. Guter, leidenschaftlicher Sex aber auch sofort ein sehr respektvoller, sympathischer Umgang. So als würden wir uns schon ewig kennen. Es gab keine Scham, kein fremdeln oder unangenehme Momente sondern fast kindliche Leidenschaft und echtes Interesse am jeweils Anderen.

Wir haben viel gelacht und waren uns in unseren Gesprächen sehr nahe. Wir haben gekuschelt und uns in den Arm genommen, während wir uns vom Sex erholten. Uns war aber beiden von vorn herein klar, unsere Liebe gehört jemandem anderen und unser Herz ist von jemandem anderen und zwar für immer besetzt.

Selbst als wir uns, jeweils mit Partner einige Male beim Spazieren gehen, irgendwo im Viertel begegneten und wir alle vier spontan zusammen etwas gegessen oder einen Kaffee getrunken haben, wäre selbst Prof. Dr. Körpersprache an unserem Umgang nichts aufgefallen. Ich habe mir auch niemals, nicht eine einzige Sorge gemacht als Sie einige Male mit meiner Frau alleine unterwegs war. Irgendwie waren wir uns an dieser und natürlich auch an einigen anderen Stellen ebenfalls, absolut einig.

Es war eine lange, anstrengende und einsame Woche. Die meisten Altlasten sind erledigt. Die Pläne für die nächsten Wochen geschmiedet und hochmotiviert von dieser ungeahnten und willkommenen Abwechslung fahre ich meinen Rechner runter, ziehe die Wohnungstüre leise hinter mir zu und klingle zwei Stockwerke tiefer.

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