Kapitel 07, Düsseldorf

Es ist Donnerstagmittag, die Sonne heizt Luft und spürbar gute Stimmung in der Düsseldorfer City an und treibt alle auf die Straße, die nicht vom Chef an den Schreibtisch genagelt wurden. Ich schlendere über die Kö. mit Ziel Carlsplatz. Die Bose In-Ears in meinen Ohren geben das Madonna Album, Confessions on a Dance Floor zum Besten.

In den nächsten Wochen steht kein größeres Projekt an und die Rechnung für das Moskau-Event wurde innerhalb weniger Tage nach Rechnungsstellung, anstandslos bezahlt. Ich hänge schon die ganze Woche entspannt durch und warte auf zwei zu unterzeichnende Verträge.

Jeden Morgen dieser Woche habe ich ausgeschlafen und Zuhause bei einer Tasse Kaffee meine E-Mails, meine Social Media Accounts und die Online Nachrichten auf dem iPad gecheckt. Danach, und das Wetter lässt es diese Woche auch artig zu, ab in die City und abhängen. Abends eine Essensverabredung mit Freunden wahrnehmen und danach mit meiner Frau zu Hause den restlichen, kurzen Abend bis zum Bettgehen verbringen. Leider musste Sie heute Morgen geschäftlich nach London fliegen und kommt  erst  Samstag Nachmittag wieder zurück.

Ich bin mit Chris, meinem besten Kumpel, auf dem Carlsplatz zum Mittagessen verabredet. Er rief mich heute Morgen an. Er müsse mal raus und ausgiebig das Mittagswetter genießen. Wir essen Fischsuppe an einem Marktstand, unterhalten und verabreden uns für heute Abend, während wir das visuelle Angebot genießen. Er hat vor ein paar Tagen auf einer Party zwei Mädels aus Essen kennen gelernt und wolle die mal auf ihre Partytauglichkeit testen.

Den Nachmittag habe ich mit Telefonaten mit meiner Familie in München und einem Buch über das Segeln in einem Kaffee verbracht welches ich mir in einer Bibliothek gekauft und beim Dinner, das ich heute bei einem Thailänder zu mir nehme, fertig gelesen habe. Faszinierendes Thema. Ich habe zwischenzeitlich oft an Sardinien zurück gedacht. Nicht nur ans Business, auch an das Ambiente, das Meer, die tolle Segelyacht und die damit verbundenen Möglichkeiten.

Ich bin Abends mit Chris in unserer Lieblings-Cocktailbar im Top-Hotel im Medienhafen verabredet. Als ich das Hotel betrete traue ich meinen Augen kaum. Albrecht steht da wartend, mitten in der Lobby.

Ich bin total baff, so freue ich mich, meinen alten Kumpel aus München mal wieder zu sehen. Er ist ebenfalls sehr überrascht. Ich habe ihn, seit ich in Düsseldorf lebe, und das sind mittlerweile mehr als 10 Jahre nicht mehr gesehen aber dennoch regelmäßig, von anderen, gemeinsamen Freunden, über ihn gehört.

z.B. das er vor 3 Jahren sein Coming Out hatte und gegenwärtig in einer festen Beziehung mit seinem Freund in München zusammen lebt. Als hätte das nicht jeder schon immer geahnt. Tzz..!

Albrecht erzählt, er war hier bei einem Seminar. Fliegt Morgen Mittag zurück nach München und wartet gerade auf eine Arbeitskollegin, welche ihm heute Abend etwas vom Düsseldorfer Nighlife zeigen will.

Bis die Arbeitskollegin eintrifft haben wir den ersten Gin Tonic an der Hotelbar schon intus. Bis Chris eintrifft haben wir jeder 2 weitere. Bis Chris`s Mädels dazu kommen haben wir zu 4t noch mal acht zu uns genommen und nach einer finalen Runde mit der vollzähligen Truppe zahle ich und wir ziehen alle weiter. Wir haben praktischerweise die gleiche (Milch)Bar als Ziel.

Noch bevor die erste Magnum Flasche Schampus im Club ganz geleert ist, verzieht sich Chris, wie immer ohne Ankündigung oder Abschied, mit seinen beiden Mädels um mindestens eine weitere Kerbe in seine Latte schnitzen zu lassen. Die Arbeitskollegin hat uns aber 4 Jungs, welche Sie noch vom Studium kennt und hier zufällig getroffen hat, an unseren Tisch beschert. Unternehmensberater aus Düsseldorf. Vollgaser ohne Limit und mir somit auf den ersten Blick sympathisch.

Wir leeren zusammen noch 2 weitere Flaschen Schampus. Ich erfahre dass alle schwul sind und sie gleich noch in eine angesagte Schwulenkneipe am Bahnhof wollen, von der ich logischerweise noch nie etwas gehört habe. Es ist kurz vor halb 4 als wir mit 2 Taxis aufbrechen. Und klar fahre ich mit!

Ich bin nicht schwul. Habe aber schon viel mit homosexuellen Menschen gefeiert und sogar Sex gehabt. Mit Männern habe ich es, vor vielen Jahren in München, zwei mal versucht, bin aber nicht auf den Geschmack gekommen. Ich stehe auf Frauen. Das weis ich dadurch zu 100% und muss nun keine Angst haben, auf der anderen Seite des Ufers was zu verpassen. Und selbst die härtesten Lesben, wollen ab und an mal einen echten Schwanz haben und da die meistens auch noch ihre Freundin mitbringen, damit es nicht so eintönig wird, kam ich so zu meinen besten Menage a Troi`s.

Ich sitze in einem der Taxis vorne. Albrecht hinten links. Die Arbeitskollegin sitzt in der Mitte und knutscht abwechselnd mal mit dem Jungen zu ihrer Rechten, mal mit Albrecht. Und auch die Jungs züngeln mal miteinander. Was die Leute nur immer mit der Rumknutscherei haben. Küssen ist für mich das Intimste überhaupt. Bevor ich eine Küsse, vögle ich lieber drei. Aber jeder auf seine Art.

In besagtem Laden ist an einem Freitag um kurz vor 4 (für mich logisch) natürlich nichts los. Wir sind die Einzigen. Wir bestellen eine Runde Gin Tonic, fleetzen uns in eine Ecke und zum lustigen reihum-rumgelecke kommt nun auch noch Hand in die Hose und fummeln was das Zeug hält dazu. In jedem anderen Laden fliegt man dafür sofort raus. Hier muss sonst Live-Rudelbumsen stattfinden. Anders kann ich mir die Gelassenheit, mit welcher der Wirt Gläser poliert, während er dem Treiben gelangweilt folgt, nicht erklären. Keiner Packt mich an. Keiner packt das Mädel an. Sie küsst und packt alle an, die sich gegenseitig anpacken und küssen.

Die Runde dauert keine 10 Minuten und wir ziehen auch schon wieder, mit Ziel Wohnung von einem der Berater, weiter. Es geht mit 2 Taxen erneut quer durch die Stadt und über den Fluss.

Teure Wohnung in einem teuren Stadtteil auf der anderen Rheinseite. Coole, stylische Bude. Ich öffne eine Schampusflasche, welche er mir aus seinem komplett damit gefüllten Kühlschrank anreicht, während er eine Pfanne auf die Herdplatte setzt. Super Idee. Ich habe einen Mordshunger. Während die Jungs und das Mädel auf der Couch ein leckendes, fummelndes Knäuel bilden, unterhalte ich mich sehr gut mit dem Gastgeber und beobachte wie er eine braune, teigige Masse (ich möchte gar nicht wissen was das ist und wie es wirkt) mit etwas Butter in der Pfanne verflüssigt und dann mit trockenen Brotscheiben die dickflüssige Masse aufsaugt und diese anschließend in der Pfanne knusprig brät.

Ohne zu fragen schnappe ich mir eine geviertelte Brotscheibe. (Schmeckt nur nach Brot) und spüle es mit etwas Schampus runter. Zusammen essen wir auch noch den Rest während wir uns immer besser unterhalten.

Der menschliche Rest vergnügt sich ungeniert und schamlos auf der anderen Seite des Zimmers als plötzlich etwas passiert, das immer irgendwann passieren muss und schon die allerbesten Momente durchkreuzt und den schönsten Partynächten ein jähes Ende bereitet hat.

Die Sonne geht auf.

Ich bedanke mich für einen interessanten Abend beim Gastgeber, verabschiede mich mit einem „Noch viel Spaß“ in die vollkommen von ihrer Geilheit eingenommene übrige Runde und verlasse die Wohnung mit dem iPhone in der Hand welches die Nummer der Taxi Zentrale wählt, während ich mich nach einem Straßenschild umsehe um meinen Standort durchgeben zu können.

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