Kapitel 06, Sardinien

Es ist mein erstes mal mit einem Privatjet und mein erstes mal auf einer Segel-Yacht. Der kleine Abenteurer und Erfahrungssammler in mir hat eine mächtige Errektion.

Mein 33,33% Termin wurde mir in diesem, wie seine Sekretärin es nannte „Ungezwungenen Rahmen“ nämlich auf der firmeneigenen Segeljacht, welche gegenwärtig im Hafen von Sardinien vor Anker liegt, bestätigt.

Die mich zuhause-abholende Limousine ist pünktlich und es geht direkt zum Charter Bereich des Düsseldorfer Flughafens. Ich werde bis vor das Flugzeug gefahren und von Romy begrüßt. Sie bittet mich um meinen Reisepass. Kein einchecken, kein Gepäck durchchecken. Einsteigen, anschnallen und schon sind wir in der Luft.

Romy serviert mir eine kleine Sushiplatte und dazu Champagner. Danach ungefragt einen frisch aufgebrühten, doppelten Espresso. Köstlich und exakt mein Style.

Ich schließe die Augen und falle in einen entspannten, vollkommen wachen und doch tranceartigen Zustand. Erst die angenehme Stimme des Käpt`n mit seiner Landeanflug-Durchsage öffnet mir wieder die Augen.

Umgekehrtes Spiel. Flugzeug aussteigen, Limousine einsteigen und schon geht’s zum Yachthafen und mit einem kleinen Golfcar quer durch diesen. Wir halten vor einer ca. 30 Meter langen, dunkelblau, mit einem weissem Streifen unterhalb des Decks, lackierten Segelyacht. Romy begleitet mich seit unserer Landung schweigend und bis in meine Kabine.

Ich könne mich in Ruhe frisch machen, wir legen gleich ab und um 18.30h, in ca. 1 Stunde wird achtern, das ist hinten, das Dinner serviert. Wenn was fehlen sollte, oder ich noch Fragen hätte, solle ich mich bitte mit dem Telefon, sie drückt mir ein Siemens Gigaset Mobilteil in die Hand, mit der Kurzwahl 17 bei ihr melden.

Ich dusche, sehe mich etwas – und ziehe mich um. Beige Khahi Hose. Barfuss in blauen Timberland Segel-Schuhen mit weißer Sohle. Passendem, blauem Straußenledergürtel und eines meiner weißen, maßgeschneiderten Hemden mit ebenfalls in blauem Seidenfaden am linken Ärmel bestickten Monogramm sollen es für heute Abend sein.

Die blauen Timberland Segelschuhe habe ich mir extra für diesen Ausflug zugelegt. Die waren eigentlich viel zu teuer, dafür dass ich sie danach nie wieder anziehen würde. Selten habe ich mich in meinem bisherigen kurzen Leben wie hier, zu 100% geirrt. Und es soll noch zu einem der besten Irrtümer meines Lebens werden.

Mein Gastgeber sitzt schon am Tisch, als ich dazu komme. Es sitzen noch 2 weitere Männer Mitte 40 und 2 junge Mädchen, Mitte 20 am Tisch. Einer der Männer wird mir als seine rechte Hand, der andere als ein persönlicher Freund und die beiden Mädels nur mit ihren jeweiligen Vornamen vorgestellt. Ich setzte mich und es wird ein leckeres, mediterranes Dinner vor einer tollen, von einem traumhaften Sonnenuntergang dominierten Aussicht, serviert.

Wir fahren unter Maschine welche man, wenn überhaupt nur durch ihre leichte Vibration, nicht aber durch ihre Lautstärke wahrnimmt. Das Boot soll für das Essen ohne Seitenneigung sein. Für den morgigen geplanten Segeltörn nach Korsika ist aber perfekter Wind mit 5-6 Windstärken aus Süd-Ost angesagt, wird mir erklärt.

Die Runde ist witzig, wir sind alle auf einer Wellenlänge. Der Weißwein schmeckt und fließt und zum Nachtisch werden uns leckere Gin Tonic`s, so wie ich Sie am liebsten mag, mit Spiralen von abgeschabter Limonenschale, serviert. Die Sonne ist schon seit ca. 1 Stunde weg und zwischenzeitlich ist es beinahe komplett dunkel geworden. Als ich irgendwann von einem Toilettenbesuch an Deck zurück kehre, sehe ich dass einige Hilfskräfte an Land gerade dabei sind, das vom Skipper angelandete Schiff zu vertäuen.

Zurück auf Achtern herrscht Aufbruchstimmung. Alle stehen und ich werde mit den Worten „Wir besuchen noch eine kleine Feier, zum Abschluss des Tages“ von Romy zusammen mit den anderen vom Schiff geleitet.

Mit 3 kleinen Golfcars geht’s wieder quer durch den Hafen. Mehrere Limousinen warten auf uns. Ich steige mit meinem Gastgeber hinten in einer davon ein. Wir reden etwas über persönliche Dinge & die Familie. Er fragt dabei geschickt meiner Ansichten zu einigen allgemeinen Themen ab, welche ich offensiv aber unangreifbar und stets politisch korrekt beantworte. Nach ca. 30 Minuten bleiben wir stehen, steigen aus und stehen vor dem Billionaires Club. Jenem legendären Club von Flavio Briatore, welcher in meinen Augen das Mekka für jeden ist, der einmal im Leben in einem Club eine Flasche Schampus geordert hat und auf den total überteuerten Preis geschissen hat, weil es sich einfach nur unbeschreiblich geil anfühlt.

Alle dackeln hinter Romy her, am Türsteher vorbei und direkt in eine VIP Lounge seitlich vom DJ. Ein babybadewannengroßer Silberkübel mit Eis und darin je einige Magnum Flaschen Schampus und je eine große Gin und Wodka Flasche werden fast zeitgleich mit unserem Eintreffen serviert. Eine weitere, etwas kleinere, ebenfalls mit Eis gefüllte Wanne enthält Beigetränke in kleinen Glasflaschen. Die Sprühkerzen in den Wannen, welche unsere Ecke während des servierens erhellen, lenken die Aufmerksamkeit der umliegenden Gesellschaften, aus naheliegenden, inflationären Gründen, nur kurz auf uns.

Romy teilt mir mit, das wenige Minuten von hier in einem Hotel eine Suite auf meinen Namen reserviert ist, damit der Rückweg nicht wieder so lange dauert wie der Weg hier hin. Die Fahrer wissen Bescheid, und würden heute Nacht vor dem Club und morgen früh vor dem Hotel auf mich warten um mich zum angekündigten Segelausflug abzuholen. Mein Gepäck wird auf meinem Zimmer sein. Ich solle bitte bis spätestens 12.00h zurück an Bord sein..
..ach ja, und wünscht mir mit einem Augenzwinkern, noch viel Spaß heute Nacht..!

Schnell füllt sich der ganze Bereich um uns herum mit hübschen Menschen und tadellosen Frauen. Meine Stimmung steigt mit jeder Hülse von Red Bull verdünntem Schampagner, und dieser fließt die ganze Nacht, bis in die frühen Morgenstunden.

Punkt 11.30h nach einem leichten Frühstück auf meinem Zimmer besteige ich die, wie angekündigt vor dem Hotel wartende Limousine, welche mich zurück zur Yacht bringt. Alle sind wohlauf und tragen Sonnenbrillen, da das Licht heute ganz besonders hell scheint! Es wird Champagner zur Begrüßung gereicht, und dann geht es auch schon los.

Nachdem wir unter Maschine den Hafen verlassen haben, werden die Segel gesetzt, das Schiff in den Wind manövriert und die Maschine ausgeschaltet. Als der Wind von den Segeln eingefangen wird, neigt sich das Schiff leicht aber deutlich spürbar und wir gewinnen schnell an Fahrt. Das Wetter ist perfekt, die Sonne scheint und der Wind weht gleichmäßig.

Alle anderen sind irgendwann weg. (Pippi, Pulli holen etc.) Der Skipper kommt, und stellt sich mir vor. Er erklärt mir alles was hier passiert und ich löchere ihn, wahrhaft interessiert mit unzähligen Fragen, bevor ich mich alleine unter das Großsegel in Luv zurück ziehe und alles in mir aufnehme, was mich gerade überkommt.

Der Wind, die Wellen, die Sonne am Horizont, das tiefblaue Wasser unter uns und in meinem Kopf – absolut nichts  – mehr!

Das Hochgefühl aller Gefühle hat sich zeitgleich mit dem Ausschalten der Maschine bei mir eingestellt. Totale Leere. Als würde meine permanent auf Hochtouren arbeitende Gedankenschleuder mit Segelsetzen in den Leerlauf geschalten worden sein. Mann ist das genial. Ich lehne mich zurück, sehe nach oben und werde eins mit den Gewalten. Ich bin verliebt.

Beim frühen Abendessen, erneut treibend vor dem Sonnenuntergang in intimer 4er Runde, ich bemerke erst jetzt, dass die Frauen von gestern heute gar nicht wieder an Bord erschienen sind, bemerkt die Männertruppe (alles begeisterte, langjährige Segler) sofort, das ich infiziert wurde. Der Abend dreht sich also ausschließlich um das Thema Segeln und jeder erzählt seine besten Segelgeschichten, welche mich wie ein kleines, begeistertes Kind bei einer Gute-Nacht-Geschichte, bis tief in die Nacht, akustisch an ihren Lippen kleben lässt.

Bevor ich am nächsten Morgen das Boot verlasse um die Limousine zum Flughafen zu besteigen, verabschiedet sich mein Gastgeber noch kurz von mir. Er bekundet meine tolle Gesellschaft und die Freude mich als Geschäftspartner gewonnen zu haben. Die Dokumente für unsere zukünftige Zusammenarbeit würden mir in den nächsten Tagen durch seine Anwälte zugehen.

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