Leben Nummer 4

Dass ich, und wo ich zur Welt kam, konnte ich mir nicht aussuchen. Ebenso wenig die Auswanderung in mein erstes, bewusst wahrgenommenes Leben sechs Jahre später. Weitere 18 Jahre später zog ich des Jobs wegen nach München und nochmal drei Jahre später der Liebe wegen nach Düsseldorf. Vor knapp zwei Jahren habe ich mich dann, erstmalig wirklich bewusst und ganzheitlich bereit für einen neuen Lebensabschnitt, in D-Land ordnungsgemäß abgemeldet und bin wenige Wochen vor meinem 40ten Geburtstag ohne Plan aber offen für alles und mit nicht geringer Erwartungshaltung in meinen nächsten Lebensabschnitt, mein Leben Nummer 4 gestartet.

München war ein sinnvoll erscheinender und mit 60 Kilometern Entfernung zu meinem Elternhaus noch recht kleiner, erster Schritt raus aus der bayerischen Idylle hinein in ein verhältnismäßig urbanes Leben strotzend vor, von mir definitiv gut genutzter, pivater sowie geschäftlicher Möglichkeiten. 

Düsseldorf bot mir die große Liebe, garniert mit einer wahnsinns Karriereentwicklung. Meine kurz davor beendete Beziehung mit einem Mädchen aus der Hotellerie, die bei gegebener, interessanter Möglichkeit alle paar Jahre Job, Stadt und manchmal sogar das Land wechselte, hat die hier notwendige, um 700 Kilometer weiter nordwestlichere Verlagerung meines Lebensmittelpunktes einzig interessanter gestaltet. Meine Familie und meine damaligen Freunde reagierten ausnahmslos geschockt und mit Unverständnis. Bis auf ganz wenige Ausnahmen war der Preis für die vielen neuen zukünftigen Bekanntschaften jedesmal der Verlust meines beinahe gesamten alten Netzwerkes sowie Freundes- & Bekanntenkreises. Nur ganz wenige blieben –  trotz der Entfernung, trotz des Unverständnisses, trotz des Neides. 

Die auf dem Flugticket aufgedruckte Destination, meiner am 10.09.2016 gestarteten Reise, lag ca. 11.000 Kilometer südöstlich von Düsseldorf und ich stieg mit großer Hoffnung und fantastischer Aussicht auf mehr persönliches Glück in den Flieger. Ich habe bis dato, keine einzige Sekunde der letzten, heute genau 600 Tage seit meiner Abreise aus D-Land bereut – ganz im Gegenteil.

In der traditionellen Gesellschaft hatte jeder seinen sicheren Platz. Sonderlich viel Mobilität gab es nicht. Man war und blieb der, zu dem man geboren wurde. Dies betraf Stand sowie Angehörigkeit zu einer Familie, einem Clan, einer Religion oder einer Gemeinde. Man war halt Katholik oder Evangelist. Schalker oder Bayer. Arbeiter oder Chef – ein Leben lang, von der Wiege bis zur Bahre. Das ist, was man traditionelle Identität nennt. 

Aber, ist das heute noch zeitgemäß? Gar notwendig? Von irgendeinem Vorteil? Oder vielleicht sogar von Nachteil? – für die persönliche (Weiter)Entwicklung auf jeden Fall..!

Nicht wenige die ich kenne, identifizieren sich bereits heute mit ihrem gegenwärtigen Lebensort maximal für die Dauer des gerade laufenden Projektes. Mit Ihrer Angehörigkeit zu einer konfessionellen Gemeinschaft für die Dauer eines Weihnachtsgottesdienstes. Und mit Ihrem Beruf oft gerade mal bis zum nächsten Feierabend. Ich bin halt aus meinem zufälligen Ausgangsland aus- und nirgendwo wieder so richtig eingezogen und bis auf weiteres sehe ich auch keinerlei Veranlassung, zurück in dieses Land mit seinem ausbeuterischen Lebensmodell zu kehren. Reduziert auf das was ich (wirklich) brauche, flexibel und allumfassend frei zu sein fühlt sich absolut perfekt für mich an.

Wie ich denn alle meine so mühsam angehäuften Besitztümer einfach verkaufen & verschenken könne und durch Abmeldung dieses so sichere Land, die guten Sozialleistungen und meine Rente so einfach aufgeben könne, wurde ich während meines Ausstiegsprozesses in den letzten Wochen vor meiner Abreise oft von Freunden & Bekannten gefragt. Und von was ich denn zukünftig leben wollen würde? Und bei Krankheit und im Alter und überhaupt..!?

Warum ich damals ging und warum DU besser bleiben solltest: Link

D-Land ist alleine in 2017 um 31 Plätze im internationalen Ranking der sichersten Reiseländer abgestürzt. In nur einem Jahr von Platz 20 auf Platz 51! Wartet mal ab, wo diese Reise für Deutschland, Europa und für jeden von euch persönlich noch hin gehen wird. 

Bereits vor 12 Jahren, mit dem Wechsel aus der Industrie in die Selbständigkeit und trotz einer bis dahin bereits 6-stellig eingezahlten Summe, habe ich ohne zu zögern die sich mir damals bietende Möglichkeit genutzt, dieses antiquierte, in den nächsten 10-20 Jahren systembedingt zusammenbrechende Rentensystem nicht weiterhin zu unterstützen. Dadurch konnte ich Ersparnisse generieren. Diese ertragreich investieren und meinen heutigen Lebensstil damit zumindest teil-finanzieren. Heute weiss ich mehr denn je, dass diese Entscheidung absolut richtig war und auch alle anderen Deutschen in meinem oder jüngeren Alters werden dies leider noch sehr schmerzlich, in Mittellosigkeit und Altersarmut endend, erkennen müssen.

Die von mir in 15 Jahren angesparten, ebenfalls 6-stelligen Altersrückstellungen meiner privaten Krankenversicherung hätte ich für monatlich 31 Euro Anwartschaft „sichern“ können – zumindest solange, bis die gesamten Altersrückstellungen des privaten Krankensystems in ein paar Jahren von der Regierung benutzt werden, um das drohende Zusammenbrechen des ebenfalls maroden deutschen Krankenkassensystems noch ein bis zwei weitere Legislaturperioden hinaus zu zögern. Meine gegenwärtige, weltweit (ausser USA und Kanada) gültige internationale Krankenversicherung mit freier Arztwahl kostet mich aktuell 103€/ Monat und wenn ihr immer noch denkt, die weltweit beste Krankenversorgung, mal unabhängig vom Preis, gibt`s in D-Land, liegt ihr falsch – aber wie und mit was solltet ihr es auch vergleichen können, wenn ihr per Gesetz in einem staatlich vorgegebenen Sozialsystem gefangen und für Medizintourismus viel zu ängstlich seid?

Auf der Insel, auf der ich gerade lebe gibt es lückenlose 4G Abdeckung mit 50 Mbit/s. Ich bekomme 13 x mehr Zinsen auf mein Bankguthaben als ihr – bei täglicher Verfügbarkeit. Und jede Inlandsüberweisung, auch auf eine Fremdbank wird in Echtzeit durchgeführt und mir sofort per Kurznachricht angezeigt – 24 Stunden täglich & auch am Wochenende – frag dich mal, warum die Bankcomputer in D-Land am Wochenende (zumindest für Dich) nicht arbeiten..!?

Für das Geld das ich früher für einen durchschnittlichen Restaurantbesuch in D-Land ausgegeben habe, Esse ich gegenwärtig 5 Tage lang Frühstück und Abendessen und das was ich früher monatlich nur an Steuern gezahlt habe, davon lebe ich heute 6-8 Wochen lang alles inclusive und glaubt mir bitte, alles andere als schlecht. 

Ganzjährig Flipflopwetter, entspannte Gleichgesinnte, faire Lebenshaltungskosten und eine der besten und gesündesten Küchen der Welt – was jede Nahrungsaufnahme für mich leidenschaftlichen Esser zu einem kulinarischen Erlebnis macht. Ein schnelles, und im internationalen Vergleich wirklich günstiges, weltweites Flug- und daran angeschlossenes Transportnetzwerk, lässt die Welt für mich stark zusammenschrumpfen und meine Reise- und Entdeckerleidenschaft recht unkompliziert und günstig befriedigen

Klar! hier wie überall sonst auch, ist nicht alles Gold was glänzt aber es ist das Gesamtpaket das mich recht schnell überzeugt hat, Thailand zu meiner neuen Base zu machen – und da mein gesamter Besitz immer noch in meinen kleinen 45 Liter Rucksack passt, mein in den letzten Monaten aufgebautes System maximal flexibel bei geringstmöglichen Kosten ist und minimale Verantwortung, Kontrolle & Support meinerseits beansprucht, bleibe ich unabhängig, ungebunden und frei, jederzeit und spontan überall hin zu gehen und ggf. auch bleiben zu können – doch die Welt ist groß und meine Reise hat gerade erst begonnen..!

Eine weitere, mir in den letzten Wochen und Monaten von meinen Freunden & Bekannten gestellt Frage war: „Wann ich denn wieder zurück nach D-Land kommen würde?“ Meine Antwort: „Zurück? aber da war ich doch schon..!?“ Diese Antwort verstört die Frager gleichsam wie mich die Kurzsichtigkeit ihrer Frage nervt. Du weisst, dass du auf dem richtigen Weg bist, wenn du kein Interesse mehr hast zurückzuschauen und mein zukünftiger Weg liegt einzig vor mir..!

… & sollte ich wirklich jemals wieder für länger zurück nach D-Land kommen, warum nicht dahin, wo ich noch nicht gelebt habe? – aber warum sollte ich freiwillig zurück in dieses ausbeuterische System gehen wenn mir doch die gesamte Welt mit deutlich lebenswerteren Möglichkeiten offen steht? 

Ich werde in Kürze nach D-Land kommen. Den Flug habe ich erst vor wenigen Tagen gebucht. Ich werde da erstmalig Besucher sein – so wie seit einiger Zeit und zukünftig überall auch – egal wo auf dieser wunderschönen Welt ich gerade bin oder noch sein werde.


denk ich an d-land in der nacht, werd ich traurig und leicht um meinen schlaf gebracht.
doch dann kommt schnell mir in den sinn, dass längst los & schon ganz weit weg ich bin.
dem täuschland rücken zugekehrt richtung freiem leben unbeschwert,
mich zugewandt der selbstergründung und grenzenloser friedensfindung.
ich muss nicht länger dort verweilen wo alle nur probleme teilen.
wo neid und missgunst üppig blühen, dir mut und charme wird nicht verziehen,
der bürokratosaurus prächtig lebt und einem alles widerstrebt.
man kann & darf ruhig gehen – alles gut, man gab bereits genügend zeit, schweiss & blut.
das leben kann so einfach sein, so schön und leicht, so menschlich fein.
erfolgreich, wachsend, lernend, still – und so lebendig wie man will.
zuhause ist, wo man dich liebt und dir neue chancen gibt.
wo du so sein darfst, wie du bist, wo du dein wesen niemals vergisst,
sondern du zum besten deiner selbst gelangst, ganz ohne zweifel oder angst.
mit gutem geist und klarem blick. das war’s, für mich, ich komm nicht mehr zurück..!

 

WILLKOMMEN – dass DU bis zum ende dieses textes gekommen bist, zeichnet DICH, in meinen augen bereits aus. ich hoffe, DU wurdest gut unterhalten, bist nun vllt. sogar zum nachdenken über deine gegenwärtige situation angeregt und ich würde mich wahrlich freuen, wenn DU eines tages auf diesen, meinen text, eine für DICH positive veränderung zurück führen kannst.

deswegen schreibe ich & mache mein gedankengut jedem öffentlich & kostenlos zugänglich & da ich konsummanipulation durch werbung verurteile, wird diese seite auch weiterhin werbefrei bleiben – trotz der durchaus lukrativen angebote die ich permanent bekomme!

die infrastruktur, wartung und optimierung dieser seite allerdings kostet & das nicht wenig und auch die unzähligen cappuccinos in den vielen caffe`s, in denen ich bevorzugt & ausschließlich schreibe, gibt es für mich nicht umsonst..

..deswegen würde ich mich echt riesig freuen, wenn mein nächster cappuccino auf DICH geht:
https://paypal.me/pools/c/8eLeMwh1dc #DANKESCHÖN

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Veröffentlicht in Reiseblog
5 Kommentare zu “Leben Nummer 4
  1. Janina sagt:

    unterhaltsam und zum Nachdenken anregend geschrieben…

  2. Simon en Kirch sagt:

    ich war nun schon zwölf mal zu unterschiedlicher Dauer in Thailand: von BKK aus in alle Himmelsrichtungen.
    Ja, das Land gefällt mir, die Menschen, das Essen, die freundlichen Kontakte ect. Doch für immer!?? Mehr als ein JahresVisum hat man mir nie gestattet; Die politische Lage läßt oft nicht zu, langfristiger zu planen. Politische Veränderungen können „überraschen“ nach der Devise: „was kümmert mich die Entscheidung von . . . ., wir machen das hier so!“
    Frage: schon mal in Kambotscha gewesen?

    • huBert sagt:

      lieber simon, vielen dank für deinen kommentar. flexibilität ist die angenehmste seite meines vor gut 2 jahren gewählten, nomadischen lebensstiles. vorherige verpflichtungen habe ich mittlerweile komplett eliminiert und mein gesamter besitz passt, wie bei meiner abreise aus d-land, immer noch in meinen rucksack – und dieses unbeschreibliche (freiheits)gefühl jederzeit gehen oder bleiben zu können, werde ich ganz bestimmt so schnell nicht aufgeben.

      langfristige planung setzt konstante voraus. diese sind gegenwärtig global nicht gegeben und für europa/ d-land sehe ich kurz- bis mittelfristig die allergrößten chanchen für massive, negative veränderungen & je nach zukünftiger, globaler entwicklung fällt mir ein wechsel meines lebensmittelpunktes am allerwenigsten schwer.

      ja, in kambodscha war ich bereist, leider nur ein paar tage. ich sehe großes, positives entwicklungspotential in diesem land. eine meiner nächsten reisen ist somit dorthin geplant.

  3. Sylvia sagt:

    Sehr gut! Bin ebenfalls ausgewandert (2014) und bereue es auch absolut nicht, im Gegenteil, ich bin heilfroh, daß ich von Deutschland raus bin. Zurückgehen zu MÜSSEN käme für mich mit seelischem Selbstmord gleich. Ich besuchte Deutschland für 4 Wochen lang nach 4 Jahren Abstinenz und für mich war es nur ein einziges Grauen. Alles… die ganze Atmosphäre, das verhangene, sonnenlose Wetter im Juli, die Stimmung und das Verhalten der Leute, der fast schon spitzelhafte Bürokratismus (ich mußte dort was erledigen. Es sei nur gesagt: es geht auch fix und freundlich! Aber deutsche Bürokraten ticken anders). Dieser Aufenthalt hat meine, viel zu lange dauernden Lebensjahre in Deutschland, die ich bis dahin verbrachte, bestätigt. Mir wurde mit nur einem starken Gefühl glasklar, daß dies für mich (obwohl meine Heimat) sehr schlecht und destruktiv ist und dieses Empfinden, das ich schon seit Kindheit in dem Land hatte, sehr wohl immer berechtigt war. Ja, Neid und Mißgunst kommen auch noch dazu. Weil man plötzlich viel viel mehr Freude und Leichtigkeit im Leben hat, wird man gemieden und Freundschaften gekündigt. Anstatt daß geschaut wird, WARUM man neidisch und mißgünstig ist und erkennt, daß Neid und sein Vetter eigentlich aufzeigen will, was man selbst gerne im Leben hätte. Darüber wird nicht nachgedacht. Dafür wird endlos über die immergleichen Probleme gejammert, als ob man sie behielte, damit man jammern kann, das scheint für viele Deutsche die Alltagshauptbeschäftigung zu sein. Von der volksfeindlichen Regierung will ich erst gar nicht anfangen. Inzwischen kann ich gar nicht mehr verstehen, wie man sein womöglich ganzes Leben in einem freudlosen Trott verbringen kann, ohne mal den Sprung in ein bewußteres, vielfältiges, eigenbestimmtes Leben zu wagen, weil der Mut fehlt. Lieber jammert man jahre oder jahrzehntelang und vergiftet seine Umwelt damit auch noch, hält sich und die anderen damit unten. Ich war genauso! Und finde es heute nur erschreckend, wie negativ Deutschland viele, sehr viele Menschen geprägt hat und an mir habe ich es erkannt. Die kollektive Depression in diesem Land, übervolle Psychiater- und Psychologenpraxen sprechen die gleiche Sprache. Aber ich freue mich tierisch auf meinen nächsten Aufenthaltsort 🙂 Alles Gute auf deiner Reise.

  4. Ein Bericht, der dazu anregt, den eigenen Standpunkt noch einmal gut zu überdenken.
    Ich reise viel – aber immer nur in kurzen Etappen. Jedesmal bin ich (mehr oder minder) begeistert von meiner Destination – jedes Mal kehre ich aber auch gern wieder nach Deutschland zurück. Ich empfinde das hier als meine Homebase – ärgere mich aber genauso wie Du über Vieles: das unterirdische Internet, die verstopften Straßen, die umständliche Bürokratie. Dann habe ich wieder Momente, in denen ich mein Heimatland sehr schätze …
    Im Augenblick wäre mein Bauch noch nicht bereit, grünes Licht zu geben für eine Auswanderung auf Dauer. Aber ich lese alle Eure Berichte gern und lasse das Entscheidungssüppchen einfach noch ein wenig vor sich hinköcheln …

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