Leichtigkeit

Wo ist sie nur hin? Wann und wieso haben wir sie verloren? Haben wir sie verdrängt? Oder ist sie aus Vernachlässigung von uns gegangen? Was hat den Platz anstatt ihrer in uns eingenommen?

Die Leichtigkeit, mit welcher wir als Kind der Welt begegnet sind, ist schon lange weg. Bei mir zumindest.

Ich kann mich noch dunkel an ungetrübte (Vor)Freude frei von Zweifel und ohne Angst vor Enttäuschung erinnern. Bedingungslose Leidenschaft und Begeisterung für die jeweilige Sache war selbstverständlich. In dieser Welt existierte kein Zeitdruck, keine Verantwortung, keine möglichen Konflikte oder, das Ende der schönen Sache herbeiführende, (Folge)Termine.

Als Kinder waren wir zu 100% instinktgesteuert. Wir haben unsere Empfindungen immer sofort und unverfälscht ausgedrückt. Schier endlose Begeisterung und Freude an ganz einfachen Dingen war (noch) unser steter Begleiter. Heute gibt es für jedes Pro zwei Contra. Jede Entscheidung ist ausgiebig zu bedenken. Fehler sind nicht akzeptabel und die Verantwortung für das mögliche Scheitern unseres Tun`s kann im schlimmsten Fall sogar existenzbedrohend sein. Wie soll man mit Leichtigkeit und stets gut gelaunt durch`s Leben schreiten, wenn wir permanent von erdrückender Verantwortung und negativen, angstschürenden Meldungen umgeben sind? Wie soll man die nötige Qualität für seine Entscheidungen aufbringen, wenn die geforderte Quantität uns oft an den Rand unserer tatsächlichen Leistungsgrenze bringt?

Bei den alltäglichen Bewegungen in meiner Umwelt begegnen mir unzählige traurige, verbitterte oder verbissene Gesichter. So selten ist mal ein natürliches, warmes und entspanntes Lächeln zu sehen. Selbst eine Überdosis grinsendes Botox ist sympathischer. Vielleicht ist meine Wahrnehmung auch eine falsche? Insofern ihr da draussen wirklich alle glücklich seid, dann informiert doch zukünftig bitte eure Gesichter.

Das Leben ist nicht (mehr) einfach. Für viele sogar richtig schwer. Und kompliziert noch dazu. Egal wie tief wir unsere persönliche Messlatte, von unserer leistungsorientierten Gesellschaft und den Medien motiviert, auch hängen, fast immer hängt sie für uns zu hoch. Wir setzten uns massiv unter Druck, diese fremdmotivierten und für uns unrealistischen Erwartungen zu erreichen. Scheitern ist fast immer sicher. Frust ist vorprogrammiert.

Welche Herausforderungen aber auch immer sich das Leben stets von neuem für uns ausdenkt. Tatsächlich wirkt bei uns nur das, was wir an uns ran lassen bzw. in der Intensität die wir erlauben. Selbst wenn wir mal keine Probleme haben, spuckt unsere rastlos-ratternde Gedankenschleuder immer neue mögliche Horror-Szenarien aus. Wie viele Gedanken verschwenden wir täglich an irgend welche drohende, hypothetischen Geschehnisse? Denken aus Angst darüber nach, was wir dann oder bereits jetzt dagegen unternehmen können. Machen uns unnötig verrückt.

Doch wie viele dieser Ereignisse treten dann auch tatsächlich ein? Der Worst-Case zieht vorüber, die Angst und die Panik bleiben. Legen sie sich über unser, von Natur aus positives Gemüt und nagen an uns mit immer neuen, noch schrecklicheren Szenarien.

Wie oft standen wir aber auch schon vor einem echten, riesigen Problem. Unsere bis dahin vermeintlich größte Herausforderung? Dachten, es geht nicht weiter. Dachten, das ist das Ende. Und trotzdem haben wir es gelöst und es ging irgendwann, irgendwie weiter.

Ich bin gewiss kein permanent grinsender Clown und laufe auch nicht Umarmungen verteilend durch die Straßen. Auch meine kleine Welt ist nicht immer so kunterbunt wie ich es in meinem Facebook-Profil zu meist darstelle. Wer postet schon seine negativen Momente? Auch mir ringt es oftmals sehr viel Kraft ab, mich an meinen oder an anderen kleinen Weisheiten zu orientieren.

Ich versuche aber, trotz der vielen negativen Einfüssen, stets mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen meinen Weg zu beschreiten. Ich lasse mich nicht beirren. Ich bin mir sicher, jedes mal wenn mein Lächeln einer dieser wandelnden Fratzen begegnet, bröckelt etwas davon ab. Meistens ist es nicht sofort ersichtlich. Aber wenn mein Lächeln mal eine Maske durchdringt und ich dahinter ein Lächeln entfachen kann, sie durch zwei Lächeln, zumindest für einen kurzen Moment fällt, lächle ich durch dieses noch intensiver. Fühle mich beschwingt. Fühle mich dann irgendwie ein klein wenig leichter..!

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Veröffentlicht in 2014, Blog

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