Was ich an Euch nicht mag

Warum mir bei meinem alltäglichen Bewegen durch die Gesellschaft so viele unwohl sein auslösende Missstände auffallen, versuche ich ja bekanntermaßen noch zu ergründen.

Jeder Mensch, jede Gruppe und jede Nation entwickelt irgendwann stereotypische Eigenschaften. So manche Eigenheit, die sich bei den Deutschen eingebürgert hat, ist schon sehr speziell und meiner Meinung nach, überdenkenswert im Verzug. Oder kurz gesagt: Ich mag sie nicht!

Für unter fünf Euro Monatsbeitrag wird jeder meiner Mitbürger zum Hilfssheriff. Was als Versicherung zu seinem Rechtsschutz gedacht ist, versteht er als Rückendeckung, die Einhaltung der Korrektheit gleich selbst in die Hand zu nehmen. Jeder ist sofort zu ermahnen, der es wagt, auch nur einen Zentimeter von den allgemein gesellschaftlich geltenden Regeln (dem vermeintlich geltenden deutschen Recht) abzuweichen. Sich bei Uneinigkeit sofort zu verklagen, zählt in Deutschland aktuell zur traurigen Normalität. Es gibt nichts was nicht justiziabel ist. Wie auch? Selbst in der (Koalitions-)Politik ist mir keine Einigung ohne langwierigen Schlagabtausch, geschweige denn eine Einstimmigkeit zu irgendeinem je verhandelten Thema bekannt. (Außer vielleicht bei der regelmäßigen Diätenerhöhung.)

Wenn der Deutsche nicht gerade dabei ist, für Recht und Ordnung in seinem Einzugsgebiet zu sorgen, versucht er schlauer als die Anderen zu sein. Vor allem wenn es darum geht, ein Schnäppchen zu machen. Leider stolpert er dabei nicht selten über eine seiner ausgeprägtesten Eigenschaften.

„GEIZ ISST GAUL“ war für mich der treffendste Spruch zum hausgemachten, letzten Fleischskandal. Solange fünf Kilometer weiter zum nächsten Supermarkt gefahren wird, weil da das fertig marinierte Nackensteak elf Cent günstiger ist, werden die Supermärkte im (Preis-)Kampf um ihre Kundschaft auch weiterhin auf das Kaufverhalten zu Lasten der Qualität reagieren.

Dank Internet ist der Deutsche stets gut informiert. Und selbst beim Angebot für eine Woche All-Inclusive-Urlaub im Fünf-Sterne-Hotel in der Türkei einschließlich Flug lediglich 399,- Euro zu bezahlen, siegt sein Geiz über seinen gesunden Menschenverstand. Für die Meisten sind nach diesem Schnäppchen-Urlaub alle Türken Betrüger. Wenige lernen draus und fliegen zukünftig nur noch ins siebzehnte deutsche Bundesland.

Einigen und ihrer Geschichte begegnen wir im TV, in Formaten wo vordergründig für die armen, ahnungslosen Betrugsopfer, aber eigentlich nur für die Einschaltquoten gekämpft wird. Zum Glück ist man ja Rechtsschutz versichert: Lautstark klagen sie ihr Leid in den Medien und finden sich später in langwierigen, nervenaufreibenden Prozessen vor Gericht wieder.

Dennoch sind wir in den Augen aller Anderen, die Alpha-Nation in Europa. Wir werden bewundert. Wir werden beneidet. Wir haben es schließlich zu was gebracht. Wir gelten als fleißige, pünktliche und sparsame Nation. Unsere deutsche Gründlichkeit ist weltweit bekannt und geschätzt.

Doch zu welchem Preis?

Der Deutsche ist Fremden gegenüber stets reserviert. Kommt gar stoffelig rüber. Er schimpft über alles, was er nicht versteht, auch wenn die größte deutsche Zeitung ihm allmorgendlich beim Kaffee die Welt erklärt. Er beschäftigt sich mit allen Anderen, nicht Anwesenden. Weiß stets wie es besser geht. Ist selbst aber tabu. Sein Jammern ist oberflächlich, mittlerweile chronisch aber auf hohem Niveau. Er drängelt im Verkehr, will überall, immer der Erste sein und sein Tag ist spätestens dann total versaut, wenn er beim allabendlichen Einkauf an der Kasse vor sich die Worte „Moment, ich hab`s passend“ hört.

Zufriedenheit kommt nach Sicherheit. Diese ist dem gegenwärtigen Denken und Handeln der Meisten nach aber erst gegeben, wenn genügend monetäre Kapazitäten angespart wurden. Doch was und wann ist es genug und wann kann endlich ohne schlechtem Gewissen zu leben begonnen werden?

Die höchsten Einschaltquoten im TV (jedes Gerät in Deutschland läuft im Schnitt pro Tag ca. vier Stunden) haben immer noch die allabendlichen Nachrichten. Diese, egal wie sachlich sie von den Redaktionen der einzelnen Sender auch aufbereitet werden, stellen die Quoten stets und gern über den Informationsauftrag. Dem ausgestrahlten Programm nach besteht das gegenwärtige Rezept für die höchsten Quoten aus den folgenden Zutaten:

10 Prozent Information aus der Oberschicht  (Schau wie schlecht es dir geht)
20 Prozent Information aus der Unterschicht  (Schau wie gut es dir geht)
30 Prozent Angstschürende Nachrichten  (Schau wie unsicher deine kleine Welt ist)
40 Prozent Informationen aus der heilen Werbewelt  (Konsumiere dich glücklich)

Dieser Mix treibt uns immer weiter und tiefer in unsere Eigenheiten und lässt uns keine Zeit zum Nach- und eventuellem Umdenken. Wie sollen wir so je unsere individuelle Persönlichkeit finden, um unsere Energie kreativ und sinnvoll zu kanalisieren?

Auf meinen Reisen durfte ich einige Nationen und ihre guten wie auch ihre schlechten Eigenschaften kennenlernen. Nirgendwo habe ich, egal wie schlecht es den Menschen im rationalen Vergleich zu den Deutschen ging, weniger Lebensfreude und Optimismus erlebt.

Die Deutschen sind wie sie sind. Sie werden sich kurzfristig auch sicherlich nicht radikal ändern. Wie bei jeder Rechnung geht es am Ende aber nicht nur um das Ergebnis und ob es für jeden Einzelnen von ihnen stimmt. Auch der Rechenweg ist wichtig.

Es muss auch nicht gleich eine Wende eingeleitet werden. Vielleicht ist eine kleine Kurskorrektur und etwas weniger verbissene Fahrt schon absolut ausreichend. Ab und zu auch mal nach links und rechts zu sehen, geht, wenn überhaupt, einzig zu Lasten der Quantität. Die Qualität kann dabei nur gewinnen.

Aus verschiedenen, gegenwärtig nicht zu ändernden Gründen verbringe ich die meiste Zeit des Jahres noch in diesem Land mit seinen Menschen und ihren Eigenschaften, von denen ich die meisten leider nicht mag.

Somit bin ich wohl mehr KEINER als EINER!
Wie viel EINER oder KEINER bist du?

 

WILLKOMMEN – dass DU bis zum ende dieses textes gekommen bist, zeichnet DICH, in meinen augen bereits aus. ich hoffe, DU wurdest gut unterhalten, bist nun vllt. sogar zum nachdenken über deine gegenwärtige situation angeregt und ich würde mich wahrlich freuen, wenn DU eines tages auf diesen, meinen text, eine für DICH positive veränderung zurück führen kannst.

deswegen schreibe ich & mache mein gedankengut jedem öffentlich & kostenlos zugänglich & da ich konsummanipulation durch werbung verurteile, wird diese seite auch weiterhin werbefrei bleiben – trotz der durchaus lukrativen angebote die ich permanent bekomme!

die infrastruktur, wartung und optimierung dieser seite allerdings kostet & das nicht wenig und auch die unzähligen cappuccinos in den vielen caffe`s, in denen ich bevorzugt & ausschließlich schreibe, gibt es für mich nicht umsonst..

..deswegen würde ich mich echt riesig freuen, wenn mein nächster cappuccino auf DICH geht:
https://paypal.me/pools/c/8eLeMwh1dc #DANKESCHÖN

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Veröffentlicht in 2013, Blog
4 Kommentare zu “Was ich an Euch nicht mag
  1. Christiane Kohlmann sagt:

    Danke, das spricht mir aus tiefster Seele. Wenn doch endlich erst einmal jeder vor seiner eigenen Haustüre kehren würde – das würde vieles angenehmer machen. In diesem Sinne: Lieber anders als einer von euch.

  2. Sabrina sagt:

    Sehr guter Artikel, dem ich mich anschließen kann. Auch wenn ich nicht denke das alle einer sind, vielleicht sind vieler einer. Ich bin keiner von den einen, aber dennoch jemand.

  3. In diesem Beitrag steckt viel Wahres.

    Gerade auf Reisen fällt es einem so sehr auf: Die unglaubliche Hilfsbereitschaft der anderen Menschen. „Würde ich mich in Deutschland Ausländern gegenüber genauso verhalten?“ frage ich mich oft… wahrscheinlich nicht. Wirklich krass, wie sehr dieses „deutsche“ Verhalten in einem steckt. Trotzdem versuche ich nach jeder Reise, mir ein Stück dieser Offenheit und Hilfsbereitschaft zu bewahren, um mit gutem Beispiel voranzugehen… Ich glaube daran, dass man damit auch einzelne Menschen erreicht, die dann auch über ihr Handeln nachdenken.

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