Der Mensch in Theorie und Praxis

Es wurde unzählige Male wissenschaftlich nachgewiesen und noch öfter publiziert: Wir, die Menschen sind intelligente und soziale Wesen. Doch welche Eigenschaften impliziert die Wissenschaft mit diesen Begriffen?

Die (meisten) Menschen sind sich „ihrer selbst“ bewusst. Sie haben Empfindungen, einen eigenen Willen und ein (grundsätzlich) eigenständiges Handeln. Sie kennen ihre Vergangenheit und leben bewusst in der Gegenwart. Sie sind in der Lage ihre Zukunft zu planen. Ebenso sind sie sich (irgendwann) auch ihrer Endlichkeit bewusst. Wie ihr Wesen funktioniert und warum, ist ausreichend erforscht, und jeder von ihnen hat, zumindest theoretisch, Zugang zu diesem Wissen.

Menschen können nicht ohne andere Menschen leben und langfristig überleben. Von Natur aus suchen sie die Gesellschaft anderer. (Der Eine mehr, der Andere weniger.) Sie gehen mit anderen eine Beziehung des gegenseitigen sich Kümmerns ein. Sie pflanzen sich fort und bilden gesamtheitlich betrachtet, eine Gemeinschaft.

Die kognitive Leistungsfähigkeit des Menschen ermöglicht uns, unsere Beziehungen mit unseren Mitmenschen mit all ihren Konsequenzen bewusst zu gestalten und nicht rein intuitiv zu handeln. Wir können aus unserem und aus dem Handeln anderer lernen und unsere zukünftigen Handlungen dadurch optimieren.

Schon Goethe stellte fest: „Nicht allein das Angeborene, sondern auch das Erworbene ist der Mensch.“

Obwohl der Mensch grundsätzlich ein eigen- und selbständiges Individuum ist, sind im Zusammenleben mit seinen Mitmenschen Regeln notwendig, damit sowohl die individuellen Ansprüche des Einzelnen als auch die Bedürfnisse der Gemeinschaft ausreichend und konfliktvermeidend berücksichtigt werden. Soviel zur Theorie.

HOCHMUT (Eitelkeit, Stolz, Übermut)
GEIZ (Habgier)
WOLLUST (Ausschweifung, Genusssucht, Begehren)
ZORN (Wut, Rachsucht)
VÖLLEREI (Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht)
NEID (Eifersucht, Missgunst)
FAULHEIT (Feigheit, Ignoranz)

Lt. katholischer Kirche stellen diese Eigenschaften seit Jahrhunderten die sieben Todsünden der Menschheit dar. Meiner persönlichen Erkenntnis nach, größtenteils Eigenschaften eines jeden Mitglieds der gegenwärtigen breiten Masse unserer Gesellschaft.

Sind wir von Natur aus schlecht? Haben wir seit Jahrhunderten nichts dazu gelernt? Wir sind schließlich nachweislich intelligente Wesen und haben uns doch nicht umsonst, sondern gerade deswegen gegen alle anderen Lebensformen in der Evolution durchgesetzt.

Oder sind diese persönlichkeits- und gesellschaftsfeindlichen Eigenschaften gar ein Produkt aus der Gesellschaft selbst? Sind sie wirklich ein unmöglich zu vermeidendes Nebenprodukt oder werden unsere Urinstinkte vielleicht sogar explizit gepflegt und durch Dritte gefördert?

Sicherlich ist es einfacher mit dem Strom zu schwimmen als dagegen. Sicherlich ist es einfacher dem Mob zu folgen und sich gedankenlos seinen Urinstinkten hin zu geben. Aber gut und richtig ist es definitiv nicht!

Die mir gegebene Intelligenz bedeutet für mich vor allem Verantwortung in meinem Tun für mich und für mein Umfeld zu übernehmen. Nachhaltig mit Ressourcen zu agieren und meinen Vorteil nicht zum Nachteil eines Anderen zu erreichen.

Welche Rolle ein jeder von uns in der täglichen Inszenierung des Lebens einnimmt ist Teil des Verantwortungsbereichs der uns vermachten Intelligenz. Sie ist keine unrevidierbare Entscheidung. Mir und meiner Frisur wird etwas Gegenwind jedenfalls auch in Zukunft nichts anhaben können.

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Veröffentlicht in 2013, Blog

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