Jäger und Sammler

„In jedem Ei, eines von fünf tollen Motiven zum Sammeln“ lese ich auf einem Produkt, des auf Schwache und Kinder ausgerichtete Spontan-Kauf-Sammelsuriums des Supermarktes, an dessen Kasse ich gerade stehe.

Dass unter dem Deckmantel der Moral unsere Emotionen ein Leben lang domestiziert werden sollen, war mir klar. Doch dass der letzte Rest, des noch in uns steckenden Neandertalers bereits in so frühen Jahren, so spielerisch vom Jäger zum Sammler gemacht werden soll, hat mich dann doch etwas schockiert.

Sammeln ist nichts Negatives, versteht mich bitte nicht falsch! Im problemlosen Vakuum unserer heutigen Zeit ist das für den Einen oder Anderen sicherlich ein toller (Frei)Zeitvertreiber und auch vor vielen Millionen Jahren war die Entwicklung vom Jäger zum Sammler ein großer Evolutionsschritt.

Während unsere Vorfahren damals aber anfingen über Tiere und Pflanzen zu herrschen, beherrschen die gegenwärtigen Dinge in immer stärker zunehmendem Maße uns. Dabei wären wir heute in bester Situation, jagen und sammeln im perfekten Mix zu leben.

Das Sammeln von Dingen, die wir eigentlich gar nicht brauchen, unterliegt wahrlich kuriosen Motiven. Beim Einen ist es die Habgier. Beim Anderen vielleicht das Marketing oder das Konkurrenzdenken, das ihn antreibt, immer mehr Zeit und Kraft aufzuwenden, um immer mehr Dinge zusammenzutragen, welche auf der Maslowschen Bedürfnispyramide bestenfalls das Fundament der Spitze bilden.

Nachdem wir unser Tagwerk für unsere Vorgesetzten und das Brutto-Sozial-Produkt des Sozialstaates geleistet haben, fallen wir all Abends zuhause auf die Couch und geben uns gedankenlos den unsere Ängste schürenden TV-Formaten mit Blick in die reale Welt hin. Diese werden immer kurz vor der Überdosis von den bunten Heile-Welt-Werbefilmchen unterbrochen. Das Marketing baut uns Inseln der Zuflucht in einer klaustrophobischen Umwelt und der Zugang in diese heile, sorgenfreie Welt heißt: Konsum.

Mit jedem Bisschen mehr sollte also doch eigentlich die Zufriedenheit und vor allem die Sicherheit mehr werden. Das Einzige, das mehr wird, ist aber die Angst. Die Angst vor dem großen Ungewissen und der Glaube, dass uns unser mühsam angehäuftes Geld und unsere vielen tollen Dinge davor beschützen können.

Und während wir von der Verantwortung des Besitzes, vom Druck des Noch-mehr und von der Angst des Verlustes immer unglücklicher werden, wird uns eines Tages das einzig wirklich wahre Gut, mit welchem wir diesen ganzen Plunder bezahlt haben, gewiss.

Unsere (Lebens)Zeit!

 

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Veröffentlicht in 2013, Blog
Ein Kommentar zu “Jäger und Sammler
  1. Gunnar Wende sagt:

    Hallo Hubert,

    ich bin heute auf Deinen Blog gestoßen und habe ein wenig darin stöbern können. Deine Ansichten sind nicht neu und werden von vielen geteilt, aber nur wenige machen sie so öffentlich wie Du. Das Du Thailand als Deine Basis gewählt hast, kann ich gut verstehen, denn die Ansichten, die Du hier äußerst, passen sehr gut dahin. Was Du beschreibst wird in Thailand Samsara genannt, in dem wir gefangen sind und es liegt einzig und allein an uns, sich hieraus zu befreien. Thailand bietet jeden die Möglichkeit aus diesem Samsara auszusteigen und die Menschen hier helfen Dir mit all ihren Kräften. Nur darf man hierbei keine halben Sachen machen, es wird erwartet, dass man es ernst meint und sich der Befreiung voll und ganz hingibt. Sollte man es nicht schaffen, muss man wieder seines Weges ziehen. Ich möchte alsbald meinen neuen Lebensweg, auch in Thailand beschreiten bis dahin werde ich Dich gerne auf Deinen Blog begleiten und mich bei Zeiten wieder mit einem Kommentar melden. Mit Metta Gunnar

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